You’re viewing a version of this story optimized for slow connections. To see the full story click here.

RÜCKBLICK 2016

Story by Helvetas Schweiz December 21st, 2016

JANUAR. Kathmandu, NEPAL

RS4619_Nepal_2016_Rohr_M4B2036-lpr.JPG

Warten, warten, warten. Suraj Ghalan steht an: für seinen Reisepass und für ein besseres Leben. Der 21-jährige Bauernsohn verlässt dieses Jahr – wie über eine halbe Million seiner Landsleute – seine Heimat Nepal, um anderswo ein Auskommen zu finden. Und nimmt damit alle Gefahren einer Migration auf sich. Von seinem Zielland Saudi-Arabien weiss er nicht viel mehr, als dass man dort die Frauen nicht anschauen darf und dass andere aus dem Dorf dort offenbar gutes Geld verdienen. Gut, dass er sich wenigstens im Informationszentrum für sicherere Migration beraten lässt. Da erfährt Suraj unter anderem, worauf er bei der Suche nach einer seriösen Vermittlungsagentur achten muss und wie wichtig es ist, dass er sich offiziell registriert.

Februar. WAG-HEMRA, Äthiopien

RS6948_ETH_2016_Fatoumata DIABATE-0169-lpr.jpg

Die Sonne brennt, es ist drückend heiss. Staub wirbelt vom ausgetrockneten Boden auf. Der Kanister auf dem Rücken bewegt sich im Takt des Wassers, das bei jedem Schritt hin und her schwappt. Adewe Gebru und ihre Kolleginnen marschieren bis zu acht Stunden, um an einem der wenigen Wasserlöcher das absolut notwendige Minimum an Wasser aufzutreiben. Ihre Heimat Äthiopien ist von der schlimmsten Dürre seit 30 Jahren betroffen. Auf die erlösenden Regenfälle müssen sie noch lange warten. Sie werden schliesslich im Juli einsetzen, aber bis zur nächste Ernte dauert es nochmals mehrere Monate.

MÄrz. Materi, Benin

RS751_2016-Rothenberger-2636-lpr.jpg

Jetzt muss er aber kräftig in die Pedalen treten – jeden Moment kommt in der Maternité sein zweites Kind zur Welt! Davor hat uns Pascal Sahgui ruhig und bedacht erklärt, wie man ein neues Beet anlegt, welche Pflanzenfolge die Ernte verbessert und wie man Dünger sinnvoll einsetzt. Als Mitglied der „Association des Maraîchages“ im Norden Benins schult Sahgui Interessierte im Gemüseanbau. Interessiert sind vor allem die Frauen. Und unter den Ausbildnern ist Sahgui sogar der einzige Mann. Von seiner Frau wird man die sonst verbreitete Klage über Männer, die Feldarbeit scheuen und kaum etwas zum Familienunterhalt beitragen, bestimmt nie hören.

April. DHEERA SANDHA, Pakistan

RS13433_Helvetas Ballnäher Sialkot-27_edited.jpg

Wenn Sie im Schweizer Sportgeschäft einen Fussball kaufen, kommt er vielleicht aus Sialkot. Über 70 Prozent der weltweit gespielten Fussbälle werden hier hergestellt. Einer der Ballnäher ist Muhammad Javed (im Bild mit seiner Frau). Er schätzt sich glücklich, bei der Firma Talon Sports angestellt zu sein, die 1993 die ersten Fairtrade-Fussbälle auf den Markt brachte. Als Javed vor drei Jahren an Hepatitis erkrankte, erhielt er statt der Kündigung viel Unterstützung. Die Firma schickte ihn zum Spezialisten und bezahlte seine Medikamente. Heute kann Javed wieder regelmässig Bälle nähen und so seine Familie versorgen.

Mai. Bla, Mali

MLI_2016_Bla_IMG_1038.jpg

Durchstarterinnen mit einem grossen Ziel: Djénébou Traoré (links, 21) und Sita Bao (22) wollen Chefinnen eines international erfolgreichen Exportunternehmens werden. Den Grundstein dafür haben sie bereits gelegt: Ihre neu gegründete Frauenvereinigung "Association des jeunes filles diplomées et descolarisées" produziert und verkauft Sirup und Dégué, ein beliebtes Getreide-Erzeugnis zum Anrühren. Beratung erhalten sie von den Ausbildnern eines Kurses, der junge Malierinnen und Malier bei ihren beruflichen Projekten unterstützt. Djénébou und Sita, die noch nicht an Heirat und Familienplanung denken, ernten für ihre Ambitionen von mancher Seite Spott. – "Das motiviert uns aber nur zusätzlich."

Juni. GUZN, Tadschikistan

timeline post 7 erdnuesse helvetas.jpg

Der Traktor – ein Erbstück vom Vater aus der Sowjetzeit – sieht abenteuerlich aus, funktioniert aber noch tipptopp. Mamadzohir Boimatov hackt damit im Norden Tadschikistans sein Erdnussfeld. Der Kleinbauer setzt dieses Jahr alles daran, dass er viele feine Bio-Erdnüsse erntet und diese erstmals zu einem fairen Preis in die Schweiz liefern kann. Die Kundinnen und Kunden hat er über die "Plattform Marktzugang" gefunden. Auf der Onlineplattform stellt der 54-Jährige sich und seine Arbeit dem Schweizer Publikum vor. Bis Ende Jahr werden Boimatov und weitere tadschikische Erdnussbauern fast 900 Bestellungen erhalten. Und sich riesig freuen, dass ihre Bio-Erdnüsse im fernen Europa so gut ankommen.

Juli. ACHOCALLA, Bolivien

HO6A4524Jules Tusseau.jpg

"Abuela, wie hast du gelebt, als du so alt warst wie ich?" Die 68-jährige Bolivianerin María Paz erzählt ohne Klage vom Mangel und den Einschränkungen ihrer Jugendzeit. Und freut sich, dass ihre Enkelin Geovanna es heute leichter hat. Nur zwei Generationen trennen die beiden Frauen, doch der Alltag und die Perspektiven haben sich grundlegend verändert. Weil sie ein Mädchen war, durfte die kleine María nur drei Jahre zur Schule gehen. Geovanna hingegen hat bereits die Sekundarschule und eine Sekretärinnenausbildung abgeschlossen. Nun will sie noch ein Studium anhängen, um ihre Chancen auf einen guten Job in einer wichtigen Institution zu erhöhen. Die mentale Unterstützung dafür bekommt sie von ihrer Grossmutter María.

August. Rapperswil-Jona, Schweiz

Rapperswil_by Jan Birkhofer_IMG_0093-1.jpg

Gebannt beobachtet das Publikum in Rapperswil, wie Dschihadisten der Bevölkerung in Timbuktu ihre Regeln aufzwingen wollen. Im "Cinema Sud" begegnen die Kinogäste den Lebensrealitäten von Menschen im Süden. Das umweltfreundliche Kino ist auf zwei Fahrrädern transportiert worden, während des Tages haben die mobilen Solarpanels Energie für den Kinobetrieb am Abend erzeugt. Auf der 6. Tournee legen in der Deutschschweiz die Operateure und Freunde Jan Birkhofer und Nik Stettler mit ihrem Velo 532 Kilometer zurück, erzeugen dabei 10 kWh Energie, spannen an 23 Vorstellungen in 12 Städten die selbstgenähte Leinwand auf und locken 2197 Besucherinnen und Besucher an.

September. DHANGADHI, nepal

Bananen Papier Nepal Opladen.jpg

Wenn der Regen weniger wird und die Sonne häufiger scheint, geht Anita Chaudary fast täglich in die kleine Bananenpflanzung ihrer Familie und sucht unter den abgeernteten Bananenstauden die kräftigsten aus. Mit ein paar Hieben ihrer Machete fällt sie die Pflanzen und trägt metergrosse Stammsegmente zur einfachen Maschine, die das Rohmaterial zu einem dünnflüssigen Brei zerquetscht und verreibt und in einen Bottich leitet. Anita Chaudary schöpft etwas Brei aus dem Bottich und verteilt ihn mit wiegenden Bewegungen gleichmässig über den Schöpfrahmen, ein in einen Rahmen gespanntes Sieb. Sie macht es so, wie sie es in einem Kurs für landwirtschaftliches Handwerk gelernt hat, und sie macht genau das, was das Wort besagt: Papier schöpfen. Anita Chaudary stellt den Rahmen in die Sonne, und wenige Stunden später kann sie das trockene Papier von ihrer Unterlage lösen.

Oktober. Nippes, Haiti

Foto_Welthungerhilfe_Haiti_2.jpg

Wieder trifft es Haiti. Die Bewohnerinnen und Bewohner des Inselstaates müssen mitansehen, wie – nur sechs Jahre nach dem schweren Erdbeben – ein Hurrikan ihre Heimat verwüstet. In vielen Gemeinden reagieren die lokalen Behörden schnell und zielgerichtet auf die Katastrophe – sie sind in Katastrophenvorsorge geschult. In der nördlichen Gemeinde Verrettes zum Beispiel stellt die lokale Zivilschutzorganisation innerhalb von zwei Tagen eine ausführliche Liste mit den Sturmschäden, den am meisten betroffenen Familien und den benötigten Gütern zusammen. Das ist angesichts der zerstörten Strassen und der gestörten Telefonverbindungen eine enorme Leistung. Und lässt für die Zukunft hoffen.

November. MARRAKESCH, Marokko

Rupa Mukerji_COP22_Marrakesh.jpg

COP 22 in Marrakesch: Erderwärmung, Klimavertrag, Kompensationsregelungen – über eine Klimakonferenz lesen wir meistens in abstrakten Begriffen. Was wir selten sehen, sind die vielen motivierten Menschen aus der ganzen Welt, die ihre Köpfe zusammenstecken, um gemeinsam gute Lösungen zu finden. Eine, die sich leidenschaftlich für eine bessere Welt einsetzt, ist Rupa Mukerji (stehend, Vierte von rechts). Die Inderin ist Mitautorin des IPCC-Weltklimaberichts und Helvetas Klimaexpertin. Sie hat sich hier im "Youth pavilion" gerade mit jungen Frauen aus Peru, Bolivien und Marokko ausgetauscht. Dabei interessiert Mukerji, was die Sorgen und Ängste dieser Generation sind. Und wie sie am besten zusammenarbeiten können, um wirklich etwas zu bewegen.

Dezember. Somo, Mali

RS2111_MLI_2016_San_Somo_KorotimiIMG_0709 copy-lpr.jpg

Korotimi Kamaté braucht Kraft. Kraft, um die harte Erde ihres Gartens aufzulockern. Und Kraft, ihr Leben selbstbestimmt zu leben. Die junge Frau absolviert ein Praktikum mit dem Ziel, sich mit Gemüseanbau ein eigenes Einkommen zu erwirtschaften. Kraft braucht sie auch, um ihrem Vorbild zu folgen. "Ich möchte einfach wie meine Mutter sein. Sie ist eine sehr starke Frau." Weil mehr Gemüse mehr Geld bedeutet, will die 24-Jährige ihren Garten im nächsten Jahr Schritt für Schritt vergrössern. Und lernen, wie sie Kartoffeln anbauen kann, das sei ihr bisher noch nicht so recht gut gelungen. Im 2017 will sie mit neuer Kraft an dieses Projekt herangehen.


Unterstützen Sie die Menschen in den Partnerländern auch 2017, damit sie ihre vielfältigen Projekte in die Tat umsetzen können.

Jetzt spenden